#byebyefastfashion mit JAN ‚N JUNE

JAN ’N JUNE founders Anna and Jula

#byebyefastfashion – das ist das Motto des Hamburger Fair Fashion-Label JAN ‘N JUNE. Seit 2014 verkaufen die beiden Gründerinnen, Anna und Jula, nachhaltige Mode, die gut aussieht und immer noch bezahlbar ist. Damit zeigen sie: Nachhaltigkeit muss nicht so kompliziert sein, wie wir manchmal glauben.

Wo zieht ihr die Grenze zwischen Slow und Fast Fashion?

Anna: Slow Fashion ist für uns ein Teilaspekt von nachhaltiger Mode. Um Fast und Slow Fashion abzugrenzen, geht es um den bewussten Konsum. Für uns bedeutet Fast Fashion Bulimie-Shoppen. Der Preis ist niedrig, deswegen kaufst du Massen, die du gar nicht tragen kannst. Kleidung, die dir eigentlich nicht gefällt, bei der du aber denkst: „Für zwei Euro kann ich das doch das Teil mal mitnehmen“. Dem entgegen wird Slow Fashion unterschiedlich interpretiert. Für uns heißt es: Schaff dir Lieblingsteile an, die variabel sind und die du richtig gerne trägst. Kauf bewusster ein!

Überleg dir vorher: Hat das Kleidungsstück eine Bedeutung für mich – werde ich es wirklich tragen? Es ist ein Riesenunterschied, ob ich ein Teil nur cool finde oder ob es mir wirklich steht und zu meinem Stil passt. Dann gibt es natürlich die Komponente der Nachhaltigkeit: Wie langlebig ist das neue Teil? Wie freundlich ist es im Herstellungsprozess der Umwelt, der Natur und den Menschen gegenüber?

Spring Summer Jan JuneWann habt ihr begonnen, so gründlich über euren Konsum nachzudenken?

Anna: Das Bewusstsein für nachhaltige Mode kam bei uns verstärkt im Studium. Wir haben beide Mode studiert. Da wird man immer wieder damit konfrontiert, wie schmutzig diese Industrie eigentlich ist.

Jula: Ich werde nie eins meiner Praktika vergessen – ich war in einer Produktionsagentur in Indonesien. Die Zeit dort hat mir gezeigt, wie wertlos Kleidung in der konventionellen Mode ist. Wenn ein Teil fertig ist, wird es einfach auf den Boden geworfen. In der einen Ecke liegt eine Jacke, die im Verkauf 300 Euro kostet, in der nächsten eine, die kostet 30. Die machen keinen Unterschied. Alles wird irgendwohin gepfeffert. Du darfst nicht die Illusion haben, dass du ein besseres Produkt bekommst, nur weil du mehr bezahlt hast. Da zahlst du bloß ordentlich für die Marke drauf.

Wie fühlt ihr euch, wenn ihr durch die Innenstadt geht und überall Leute seht, die bepackt sind mit vollen Tüten – meistens von Primark und Co?

Anna: Da denke ich schon manchmal: „Au Mann“. Ich fühle mich von Mädchen mit Primarktüten aber nicht persönlich angegriffen. Das Problem ist, dass es faire Labels wie uns nicht in den regulären Geschäften gibt. Wir sind eine winzig kleine Nische. Der Käufer muss wahnsinnig viel Aufwand betreiben, um nachhaltige Labels zu finden.

Jan n June Spring SummerWie wollt ihr es schaffen, mehr Käufer zu erreichen?

Jula: Wir wollen Alternativen schaffen. Der Wechsel von Fast zu Slow Fashion muss so leicht wie möglich sein. Das geht nicht mit erhobenem Zeigefinger, das geht nicht mit schrecklichen Bildern, das funktioniert alles nicht. Alle wissen, dass in der Modeindustrie vieles falsch läuft. Deswegen geht es für uns darum, Alternativen zugänglich zu machen. Wir möchten, dass der Kunde unsere Teile kauft, weil sie ihm wirklich gefallen. Nicht, weil sie nachhaltig produziert und deswegen „gut“ sind. Unsere Teile sollen Lieblingsteile werden und nicht nur für eine Saison tragbar sein. Deswegen ist es auch immer ein Erfolg, wenn wir in Boutiquen verkauft werden, die nicht nur nachhaltige Mode führen.

Wie wollt ihr Menschen abholen, die mit Slow Fashion erstmal nicht so viel am Hut haben?

Anna: Mit gutem Design und guter Qualität. Wir wollen einfach ein gutes Markenimage aufbauen. Es soll Spaß machen auf unsere Seite zu gehen, zu gucken, was es so gibt. Man soll sehen, dass es bei uns wirklich um Mode geht. Wir finden, dass kein Mensch eine hundertprozentige Radikalwendung machen muss. Es ist auch einfach utopisch, direkt ein ganz oder gar nicht zu verlangen. Mit jedem Kleidungsstück, dass du nachhaltig einkaufst, machst du schon einen Unterschied.

Kennt ihr ein Label bei dem ihr denkt: Die machen es genau richtig?

Jula (lacht): Ja, The Reformation. Die schaffen es, das Thema Nachhaltigkeit in der Mode richtig hip und überzeugend rüberzubringen. Ihre Mode ist natürlich total anders, aber die Botschaften, die sie haben sind schon richtig cool.

Jan n June Spring SummerWenn ihr morgen den CEO von H&M oder Inditex (Zara etc.) treffen würdet, worüber würdet ihr sprechen?

Jula: Ich glaube, das wäre unterschiedlich bei H&M und Inditex. Inditex würde ich fast eine Standpauke halten, weil bei ihnen Nachhaltigkeit quasi ignoriert wird. Das, was sie in diesem Bereich machen, ist so irrelevant, da könnten sie es eigentlich ganz lassen. Wie kann man Nachhaltigkeit so aus seinem Unternehmenskonzept ausschließen? H&M würde ich fragen, wie ernst sie es eigentlich meinen. Letztens habe ich mir  ein Teil aus der Conscious Collection genauer angesehen, ein Chiffon-Top. Hier waren 30 Prozent des verarbeiteten Polyester recycelt. Jemand, der sich nicht auskennt, denkt:  „Cool, 30 Prozent“! Aber eigentlich ist Polyester irre leicht zu recyceln. Da frage ich mich, warum nicht das ganze Top aus recyceltem Material hergestellt ist. Gerade für jemanden wie H&M sollte das kein Problem sein.

Anna: Oder wenn auf einem Teil Biobaumwolle steht. In Wirklichkeit ist es dann nur zur Hälfte überhaupt aus Baumwolle. Und im Baumwollanteil sind dann vielleicht 25 Prozent bio, unzertifiziert wohlgemerkt.  Und genäht unter möglicherweise fragwürdigen Bedingungen.

Jula: Trotzdem ist spannend, was H&M machen. Sie vermarkten ihre grüne Kollektion zum Beispiel echt gut. Deswegen wird ihnen auch häufig zu Recht Greenwashing vorgeworfen. Ich finde aber, sie bringen zumindest das Thema in die Diskussion. Für das Umdenken beim Endkonsumenten ist das vielleicht gar nicht so verkehrt. Deswegen muss man H&M auch differenzierter sehen. Es ist gut, dass sie den Impuls geben. Den Anstoß überhaupt über den eigenen Konsum nachzudenken. Besser als Inditex zum Beispiel, die gar nicht über Nachhaltigkeit sprechen.

Was steht als nächstes für JAN ’N JUNE an?

Anna: Wir haben eine Reihe Dinge, die wir gerne umsetzen würden. Grundsätzlich würden wir gerne Männermode machen. Außerdem Homewear, Sportswear, vielleicht eigene Läden! Es gibt viele spannende Sachen, die wir gerne starten würden. Außerdem ist interessant, was sich gerade so in der Gesellschaft verändert. Wieviel werden wir in ein paar Jahren besitzen? Momentan wachsen Generationen heran, die ständig umziehen – die wollen gar nicht so viel besitzen. Da wird sich in den nächsten Jahren noch echt viel verändern und wir freuen uns mega, mit JAN ‚N JUNE auch Teil dieses Umdenkens zu sein.

Vielen Dank für das Interview!

Bildrechte: Anna and Jula (Chérie Birkner), Kollektion (Michael Rüttger).

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Hanna’s Places ist ein Online-Magazin für nachhaltigen Lifestyle, geschrieben von Hanna Ulatowski. Bewusste Veränderungen beginnen im Kleinen und hier erfährst du, wie du sie in deinen Alltag integrieren kannst.